Bondage – und dann?

Fesseln als Selbstzweck: hocherotisch oder todlangweilig?

Eine der Fragen, die ich jedem Gespielen stelle, der „Fesseln“ als Wunsch an mich heranträgt, ist die Frage nach dem Zweck der Bondage. Geht es um eine schnelle und effiziente Fixierung, um meinem Opfer jede Chance zu nehmen, bei anschließenden Quälereien Gegenwehr zu leisten? Oder ist die Bondage als solche, genussvoll zelebriert und immer weiter getrieben, bereits erregend?

Wer keinen Bondage-Fetisch hat, dem fällt es sicher schwer nachzuvollziehen, was daran erotisch sein soll, wenn ausser einer Fesselung „nichts“ passiert.

Da ich recht häufig und mit großem Vergnügen reine Bondagesessions durchführe und mir denke, dass sicher einige Bondage-Liebhaber auch hier mitlesen, würde ich mit eurer Hilfe gern etwas Licht ins Dunkel bringen. Was reizt euch am fesseln und gefesselt werden?

Mein Beitrag vorweg:

Passiv liebe ich Bondage als „Erlaubnis“, mich ganz auf mich zu konzentrieren. Ich bin im passiven Headspace normalerweise im Dienstleistungsmodus und sehr bemüht darum, dass mein aktiver Partner ein schönes Erlebnis hat. In Bondage kann ich abschalten – wenn er wollte, dass ich etwas für ihn tue, würde er mich nicht bewegungslos fesseln, oder? Offenbar darf ich wirklich passiv sein und muss nicht mehr denken. Wie befreiend von jeglichem Erfolgs- und Performancedruck!
In Bondage liebe ich vor allem sanfte Spiele: Verschiedene Sinnesreize, Massagen, Zunge, Dildo, Vibrator, erotisches Teasing. Schmerz lenkt mich eher ab von diesem wunderbaren Schweben – härtere Spanking-Sessions genieße ich beispielsweise lieber ungefesselt. Es reicht mir aber auch völlig, wenn ausser der Fesselung tatsächlich nichts passiert – eine Trance, eine Reise in mein eigenes Inneres, entsteht trotzdem, und allein dieser Zustand ist unbeschreiblich.

Aktiv reizt mich die Macht über das Empfinden meines Opfers. Selbst wenn Schmerz oder andere Unwohlgefühle gar nicht zur Debatte stehen, habe ich doch die Macht über die Erregung des Gefesselten. Es ist wie ein Tanz, in dem ich führe und der andere folgt, zu unserer gemeinsamen, inneren Musik. Zu sehen, wie jemand mit Lust auf das reagiert, was ich ihm gebe – oder auch zeitweise entziehe, um demonstrieren, wie vollkommen er mir ausgeliefert ist, was seine Erregung meist noch verstärkt … sein Begehren zu spüren nach mir, der einzigen, die in diesem Moment seinem wortlosen Flehen vielleicht nachgeben könnte, wenn sie wollte – was für ein Kick.
Die Hilflosigkeit immer weiter zu treiben, immer noch eins draufzusetzen, mein Opfer zu überraschen, wenn er glaubt, dass es nun aber wirklich unmöglich noch weitergehen kann, das passt wohl am besten unter den Punkt „befriedigte Eitelkeit“, wie im Artikel über meinen Spaß am Job beschrieben.

Und nun seid ihr dran. 🙂

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7 Kommentare zu “Bondage – und dann?”

  1. higherheel sagt:

    eine schöne Frage.
    Ich kann nur über das „gefesselt werden und sein“ berichten.
    Für mich ist der Kick die Einengung und Bewegungslosigkeit (ein ganz wunderbares Gefühl, endlich einmal nicht machen zu können, was man will oder muss), innezuhalten und die Möglichkeit, sich damit einmal zu konzentrieren und auch anderen Sinnen intensiv hingeben zu können – hören, riechen, schmecken….

    Und was ich auch liebe, ist das das Fesseln und Entfesseln so wunderbar lange dauern kann und es in kleinen, aber gemeinen Schritten immer weiter vorangeht. Und wenn man denkt, es ist Schluss, geht immer noch etwas …

    Für mich ist Fesselung ein herrliches Spiel, aber gerne in Verbindung mit weiteren vor- und nachgelagerten Abenteuern.

  2. Undine sagt:

    Higherheel, danke für deine Einblicke!

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich mich auch über Kommentare zu Artikeln freue, die ein paar Tage oder auch ein paar Monate alt sind – gerade wenn es um solch zeitlose Themen geht.

    Ich halte also die Ohren gespitzt … 🙂

  3. Andy sagt:

    Hallo Undine,

    für mich sind Fesselungen sozusagen die „Basis“, von der alles ausgeht. Ich liebe es, wenn ich gefesselt werde – Ja, es ist eine Art „Liebe“ – ich bekomme Herzklopfen, wenn ich die Hände nach hinten lege und dann merke, wie sich das Seil immer enger um die Hände schlingt – bis ich registriere – Ich bin gefangen, kann mich nicht befreien. Es muß nicht das Seil sein, Lederfesseln mit Schlößchen oder Handschellen natürlich auch.
    Ich liebe das Gefühl, meiner Herrin dann ausgeliefert zu sein – wie es dann weitergeht, entscheidet SIE. Ob Peitschen, ob Erziehungsversuche in High Heels, Brustwarzenfolter oder CBT, Umschnalldildos, usw. Ich geniesse es einfach – egal, was mit mir geschieht – aber wichtig ist für mich, dabei gefesselt zu sein. Ich geniesse es auch, einfach „nur“ gefesselt zu sein – ich nehme die Fesselung an sich sehr intensiv wahr – wenn nichts weiter passiert, ist es für mich genau so schön, als wenn andere Dinge mit mir geschehen. Es kommt auch vor, daß ich nach „Erziehungen“ noch eine Weile gefesselt sein möchte – um eben dieses Gefühl zu geniessen.
    Am schönsten ist es für mich, das Gefühl des „gefesselt seins“ in einer japanischen Bondage zu geniessen – wenn man von Kopf bis Fuss in Seile gelegt wird – ich komme in eine art „Trance“ Zustand – nehme aber jede Bewegung, jedes Seil sehr intensiv wahr – und irgdnwann habe ich das Gefühl, vollkommen Bewegungsunfähig zu sein. Ein Knebel verstärkt das Gefühl nochmal. Ich fühle mich frei. Obwohl ich gefesselt bin.

    Viele Grüße

    Andy

  4. Nocci sagt:

    Ich mag das Gefühl von Seil auf der Haut. Ich kann nicht sagen warum, aber es ist etwas sehr anderes als Kleidung, so viel intensiver und feiner. Sehr geniessen kann ich es, wenn ich merke, dass der andere am Akt der Fesselung selber Spaß hat. Wenn er es nur als reines Mittel zum Zweck einsetzt, ist es nicht mehr so zärtlich, so gefühlsreich.
    Einfach ein Gefühl von Nähe, das sich in mir entwickelt. Langsam in das gemeinsame Spiel eintauchen. Ich mag es auch unheimlich gerne, wenn ich einfach nur berührt werde, und das kann beim gefesselt werden durchaus sehr intensiv auftreten. Ich spüre dabei die Hingabe viel mehr als bei fast allen anderen Teilen von BDSM. Ab dann, wenn ich gefesselt bin, komme ich sicher nicht mehr ohne fremde Hilfe aus der Situation heraus. Ich muss mich fallen lassen und meinem gegenüber vertrauen. So kann ich mich viel stärker in die Situation hineinfallen lassen.
    Mir gehts da, glaube ich, sehr änhlich wie mein Vorschreiber. Ich habe es auch schon häufiger gehabt, dass ich die Wahl hatte aus dem Seil wieder herauszukommen oder nicht, wahlweise durch Selbst- oder durch Fremdbefreiung. Und wollte es nicht. Ich wollte viel lieber noch weiter das Gefühl genießen das Seil auf der Haut zu spühren und ganz bei mir zu sein in dem Moment.

  5. m. sagt:

    Liebe Undine,

    bei mir ist die Bondage, und zwar ohne die Möglichkeit der Selbstbefreiung, das sine qua non. Egal was gemacht wird, ich finde es unbefriedigend, wenn ich weiss (oder glaube), ich könnte ja …

    Danke für Deine schöne Beschreibung des Gefesseltseins als ‚Erlaubnis‘, nur zu geniessen. Vielleicht bin ich gar nicht maso, sondern nur Geniesser … Erschreckender Gedanke … 🙂

    Bondage, und dann?
    Ich kenne drei Möglichkeiten: angenehme Reize, unangenehme Reize und gar keine Reize. Ah, es gibt noch Mischformen: teilweiser Sinnesentzug plus (überraschende) Reize. Angenehme Reize habe ich ehrlicherweise oft als langweilig empfunden, vielleicht bin ich selten wirklich ‚kunstvoll‘ überrascht worden?. Unangenehme Reize haben mich in letzter Zeit auch gelangweilt (zuwenig Abwechslung?), was mich zum Edge Play geführt hat (siehe ‚Carte Blanche‘). Ob ich mich auf so etwas nochmal wissentlich einlasse, weiss ich noch nicht. Bliebe noch ‚keine Reize‘. Hier habe ich Erfahrung mit langen Liegezeiten in unterschiedlicher Verpackung.

    Lange gefesselt zu sein, ohne dass etwas passiert, kann ich geniessen. Abgesehen von der von vielen Dominas eingeräumten Möglichkeit, durch nicht berechnete ‚Liegezeit‘ die Dauer der (finanzierbaren) Session zu verlängern (buuh!), hat es den Aspekt von Sehnsucht durch Distanz (ich höre ihre Schritte und hoffe). Eine Trance entsteht dadurch aber bei mir nicht. Etwas tranceähnliches kann bei mir aber schon mal entstehen, wenn ich sehr müde bin oder erschöpft von der vorangehenden Behandlung. Vielleicht ist es aber gar keine Trance, sondern Schlaf… (sorry) Geil finde ich übrigens, aufzuwachen und ein paar Sekunden zu brauchen, meine Situation zu erinnern. Ultimo wäre vielleicht eine gefesselte Übernachtung, das hatte ich noch nicht …

    Wenn ich nur gefesselt alleine gelassen bin, teste ich immer wieder mal die Fesseln und empfinde dabei, dass sie unbequem sind oder ich mich nicht kratzen kann, wenn es mich juckt (nein, an der Schulter z.B.), was sich zu einem Empfindung-Mix aufschaukelt, der sich vielleicht als Verzweifeln-Geniessen-Ist-das-Fies! beschreiben lässt. Keine Trance, nö.

    Entsteht die Trance vielleicht durch Sinnesentzug? In irgendeinem alten Spionage-Schmöker (le Carré ?) wird eine subtile Foltermethode beschrieben: das Opfer wird betäubt, entführt und wacht mit verbundenen Augen in einem Wassertank auf. Es bekommt problemlos Luft (durch igendein Tauchgerät), aber spürt seinen Körper nicht, nur den seltsamen Wasserwiderstand bei jeder Bewegung. Vielleicht wissen die Fan des Spionageromans noch, was der KGB mit dem Gehör gemacht hat, ich glaube, das Opfer hört seine eigene Stimme und sonst nichts. Innerhalb von wenigen Stunden fühlt das Opfer sich schlimm einsam, wird von Schuldgefühlen geplagt und erzählt sich selbst seine Sünden (die der KGB eigentlich erfahren will)…

    Wirkt längerer Sinnesentzug wirklich so? Frage an die Folterspezialisten unter uns (Undine?)… Ich stelle es mir eigentlich schöner vor, aber das mag natürlich am Kontext liegen (in so eine Situation überraschend zu geraten oder gewollt und vertrauensvoll) …

    Meine dem genannten Szenario bisher ähnlichste Session endete in einem Gummisack mit Schlauchknebel und immer weiter zunehmendem Druck auf die Brust, über ich glaube 30min (gefühlt 90min). Ich bin ein paar Mal eingeschlafen (hatte auch die Nacht zuvor wenig geschlafen) und jedes Mal mit Atemnot erwacht (weil wohl meine Schlafatmung nicht ausgereicht hat?) und musste jeweils erst die kurze Panik niederkämpfen. Jedenfalls war es eine geile Session, ich befürchte aber, sie war nicht so sehr sicher… Trance durch Sauerstoffmangel?

    Liebe Grüsse
    m.

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