Gesundheits-Checkliste

Ein „ungeiles“ aber nichts desto weniger wichtiges Thema: der Schutz deiner Gesundheit (und der deiner Spielpartnerin) bei einer BDSM-Begegnung. Und weil wir uns innerhalb eines Spiels alle lieber mit den erregenderen Themen des Lebens beschäftigen und nicht von ungeplanten Schmerzen, Kreislaufproblemen oder gar Notarzteinsätzen abgelenkt werden möchten, liegt der passende Zeitpunkt, sich über deine Gesundheit Gedanken zu machen, besser früher als später: zum Beispiel jetzt.

Sexuelle Erregung kann den Körper beeinflussen wie Leistungssport. Verbunden mit der durch die ungewohnte Situation verursachten Nervosität, plus Stress durch unbequeme Stellungen, ein enges Halsband o.ä. ist ein Studiobesuch bei eingeschränkter Fitness ein Risikofaktor, der nicht unterschätzt werden sollte. Eine erfahrene Sexworkerin, besonders ein BDSM-Profi, kennt sich mit den Reaktionen und Grenzen eines gesunden Körpers hoffentlich umfassend aus, ist aber bei bei vorhandenen gesundheitlichen Problemen unbedingt auf deine Mithilfe angewiesen.

Gerade Menschen, die bereits an Herz-/Kreislaufproblemen leiden, sollten Aufregung eigentlich meiden. Eigentlich – denn die Alternative, sich ab 55 in den Lehnstuhl zu setzen und darauf zu warten, dass der Rest des Lebens inzwischen irgendwo anders passiert, ist doch eher wenig befriedigend. Umso wichtiger ist es, dass deine Spielpartnerin über bekannte Risikofaktoren wie hohen Blutdruck, hohe Blutfettwerte oder Diabetes informiert ist, um im Notfall schnell und richtig reagieren zu können. (Das gilt übrigens auch für aktive Gäste und reine Fetisch- und Bizarrsex-Liebhaber.)

Andere Faktoren haben weniger dramatische Auswirkungen, können aber den Verlauf eines Spiels dennoch beeinflussen und sind daher wichtig für dein Gegenüber zu wissen.

Eine umfangreiche Gesundheits-Checkliste im Vorgespräch in voller Länge vorgetragen und abgefragt mag auf manchen Gast beruhigend wirken, weil das zeigt, dass die Lady sich Gedanken macht. Andere Interessenten dürften dadurch eher verschreckt werden. In der Praxis werden oft nur einige Punkte von deiner Spielpartnerin explizit angesprochen oder es wird nur allgemein nach gesundheitlichen Einschränkungen gefragt. Auch das ist legitim, erfordert aber mehr Initiative von dir – und dabei soll die folgende Liste helfen. Im Zweifelsfall: ausdrucken, ankreuzen und mitbringen! (Natürlich nur als Grundlage, nicht als Ersatz für ein persönliches Gespräch.)

Folgende Punkte können je nach geplanter Praktik relevant sein. Denk daran: falls du auch Überraschungen gebucht hast, sind alle nicht explizit als Tabu ausgeschlossenen Praktiken möglich.

  • Kreislaufschwäche (relevant bei Bondage und Strafstellungen)
  • Gelenkserkrankungen, z.B. Sportverletzungen oder Verschleiss, Bandscheibenprobeme (Bondage und Strafstellungen)
  • Allergien (Spiele mit Nahrungsmitteln, Pflanzenteilen oder Chemikalien wie Insektengift, wärmeauslösende Salben etc.)
  • Atembeschwerden, z.B. verstopfte Nase (Knebelungen, Masken, Atemkontrollspiele, Facesitting, Zwangsfütterung, Zwangsaufnahme von Körperausscheidungen)
  • Erhöhte Neigung zu Brechreiz, auch schon bei kleinen Fremdkörpern im Mund (Knebelungen)
  • Potenziell ansteckende Geschlechts- und andere Infektionskrankheiten (je nach Art der Erkrankung kann das auch relevant sein, wenn kein GV/OV/AV geplant ist – Syphilis beispielweise kann sich auch bei einer Handmassage auf die Finger der Massierenden übertragen!)
  • Epilepsie oder sonstige Neigung zu Krämpfen oder Anfällen
  • Tragen von Kontaktlinsen
  • Tragen von Zahnprothesen
  • Schwerhörigeit, Hörsturz, Hörgerät(e)
  • Blutgerinnungsstörung (Nadelspiele, Cutting, Spanking, Treten)
  • Herzschwäche, Herzschrittmacher
  • Schlaganfall
  • Bluthochdruck
  • Lungenerkrankungen
  • Erkrankungen der Mundschleimhaut, Neigung zu Zahnfleischbluten, kürzliche Zahn-OPs (Safer-Sex-Risiko beim Oralverkehr und Küssen)
  • Hämhorriden und akute oder chronische Verdauungsprobleme, etzündliche oder nicht-entzündiche Darmerkrankungen (Analspiele)
  • Karotis-Sinus-Syndrom, eine Überempfindlichkeit der Blutdruck-Rezeptoren in den Halsschlagadern (Bondage, Tragen von Halsbändern, Atemkontrolle durch Würgen und Drosseln)
  • Phobien, Neigung zu Panikattacken
  • Vorausgegangene Medikamenteneinnahme, insbesondere Blutverdünner (auch Aspirin in größeren Mengen) und Potenzmittel – Viagra in Kombination mit „Poppers“ kann tödlich sein!
  • Diabetes
  • Phimose, Harnröhrenverengung, Hodenerkrankungen oder -veränderungen
  • Leistenbruch
  • Implantate
  • Sonstige chronische Erkrankungen
  • Bei akuten Beschwerden solltest du eure Begegnung lieber verschieben – bei leichten, aber ansteckenden Erkrankungen wie Erkältungen ist es höflich anzufragen, ob die Dame sich des Risikos aussetzen möchte, selbst falls du dich gut genug fühlst, um die Session durchzuführen.
  • Falls es zu Notfällen kommen kann, in denen du mitgeführte Medikamente oder z.B. Zucker einnehmen musst, instruiere deine Gespielin bitte entsprechend.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie immer freue ich mich über Ergänzungen in den Kommentaren.

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