Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Erfolg – Verfassungsbeschwerde gegen Prostituiertenschutzgesetz in Karlsruhe eingereicht!

Samstag, 24. Juni 2017

Am 21. Juni 2017 wurde in Karlsruhe nach einer Kundgebung von Sexarbeiter/innen vor dem Bundesverfassungsgericht die Verfassungsklage gegen das Prostituiertenschutzgesetz übergeben.

Auf einer zuvor von Doña Carmen in Karlsruhe einberufenen Pressekonferenz erläuterteder von mittlerweile 25 Beschwerdeführer/innen beauftragte Anwalt Meinhard Starostik die Kernpunkte der 62 Seiten umfassenden Verfassungsbeschwerde. Dabei kündigte er an, dass man vor den Europäischen Gerichtshof gehen werde, sollte die Klage in Karlsruhe keinen Erfolg haben.

Juanita Henning, Sprecherin von Doña Carmen e.V., betonte, dass es das erste Mal in der Geschichte Deutschlands sei, dass Sexarbeiter/innen in eigener Sache das oberste Gericht anrufen. Es handele sich dabei um einen „Akt der Notwehr“. Das Einreichen der Verfassungsbeschwerde sei ein wichtiger juristischer Schritt im Kampf gegen das Prostituiertenschutzgesetz. Der Kampf endet damit keineswegs.

Zur vollständigen Pressemitteilung von Doña Carmen

Die Verfassungsbeschwerde gegen das „Prostituiertenschutzgesetz“ als pdf

Bitte hilf uns, die noch zu begleichenden Kosten der Kampagne für die Verfassungsbeschwerde gegen das Prostituiertenschutzgesetz zu begleichen:

Spendenkonto

Doña Carmen e.V.
IBAN DE44 5005 0201 1245 8863 61
BIC HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

Verfassungsbeschwerde gegen das „Prostituiertenschutzgesetz“

Dienstag, 21. März 2017

Oft werde ich gefragt, wie man mich unterstützen kann bei meinem Engagement für die Rechte von Sexarbeitenden (und für die Rechte unserer Gäste oder Geschäftspartner). Hier gibt’s eine wunderbare Gelegenheit!

Das neue Prostituierten-„Schutz“-Gesetz tritt zum 1.7.2017 in Kraft und wird die Rechte von Sexarbeiter*innen massiv einschränken.

Das Gesetz im Überblick

Neben einer stigmatisierenden Sonder-Registrierungspflicht für Sexworker, der Gefahr von Datenschutzverletzungen und Zwangsoutings, und massiver Hürden für uns, zukünftig selbstbestimmt in kleinen Zusammenschlüssen zusammenzuarbeiten, sind auch die Punkte interessant, die nicht nur uns betreffen: So wird das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Privatwohnung eingeschränkt, es sind also jederzeit behördliche Kontrollen möglich, falls dort der Sexarbeit nachgegangen wird. Der Verdacht reicht schon. Das könnte für sexuell aktive Frauen (egal ob sie dafür letztendlich Geld nehmen oder nicht) mit konservativen Nachbarn durchaus unangenehm werden.

In den Bundesländern, in denen die Polizei jetzt schon in Bordellen und Studios ein anlassloses Zugangsrecht hat, ist es mit der Intimsphäre von Sexworkern und ihren Kunden nicht weit her. Da wird auch mal in laufende Aktionen reingeplatzt und in Bayern auch mit der Taschenlampe nachgeleuchtet, ob der Kondompflicht nachgekommen wurde. Das ganze soll nun bundesweit eingeführt werden, auch in bisher grundrechtlich geschützen Privatwohnungen.

Gegen das ProstSchG bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, die im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde geklärt werden müssen.

Ich werde zusammen mit Kolleginnen und Kollegen als eine der Beschwerdeführerinnen vors Bundesverfassungsgericht gehen um zu versuchen, das Gesetz zu kippen, oder wenigstens die schlimmsten Eingriffe in unsere Rechte abzuwenden.

Ein kompetenter Fachanwalt sitzt bereits dran und macht uns Hoffnung. Doch so ein Verfahren kann sich über Jahre hinziehen und kostet mehrere zehntausend Euro. Und hier seid ihr gefragt: Der „Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten“, Dona Carmen e.V., koordiniert die Arbeitstreffen und hat für die Anwaltskosten ein Spendenkonto eingerichtet.

Hilf uns Sexarbeiter*innen mit deiner Spende, für unsere Grund- und Menschenrechte zu kämpfen!

Solidaritätskonto Verfassungsklage gegen das ‚Prostituiertenschutzgesetz‘

Doña Carmen e.V.
IBAN DE44 5005 0201 1245 8863 61
BIC HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

Weitere Details bei Dona Carmen.

Gewerbefläche in Hamburg/Sankt Georg gesucht

Dienstag, 10. Januar 2017

Liebe Gäste, liebe Freunde,

ich habe lange über eine passende Einleitung nachgedacht, aber das macht die Sache nicht besser, also kann ich mich genauso gut kurz fassen: Das Studio Rex, eines der ältesten bestehenden Studios Hamburgs, wird Ende März schließen.

Unser Mietvertrag läuft nach insgesamt zehn Jahren aus und kann leider nicht noch einmal verlängert werden, da die Mieterin des gesamten restlichen Hauses sich weiter vergrößern möchte, und unser Vermieter dem verständlicherweise nachkommen wird.

Im Zuge dessen werde ich den Studiobetrieb aufgeben. Mit einer Neueröffnung in einer anderen Location müsste ich ohne Chance auf eine Übergangsregelung durch alle Reifen der neuen Bordellkonzessionierung springen – für einen kleinen Zusammenschluss von Kolleginnen ohne Gewinnabsicht an der Untervermietung ist das weder wirtschaftlich, noch habe ich Lust, zukünftig die Hurenpässe meiner Kolleginnen kontrollieren zu müssen.

Damit fällt ein entspannter Arbeitsplatz für selbstbestimmte Sexarbeiterinnen dem neuen „Schutzgesetz“ zum Opfer.

Derzeit suche ich also eine kleinere Gewerbefläche, in der ich allein meine Gäste weiter empfangen kann. Aber auch das gestaltet sich leider schwierig – ich war schon lange nicht mehr so geballt einer gesellschaftlichen Stigmatisierung ausgesetzt wie in den letzten vier Monaten, in denen ich auf Immobiliensuche bin. Kaum ein Vermieter will „so etwas“ in seinen Räumen haben. Nach Vorlage meines Betriebskonzepts und auf die Frage, was denn konkrete Bedenken wären, bekomme ich keine Antwort ausser den beliebten „ideellen Immissionen„: „Also, was ist denn das für eine Frage, das muss ihnen doch klar sein, dass so etwas den Wert des Gebäudes mindert. Da bin ich bestimmt nicht die einzige, die Ihnen das sagt“. Nein, ist die gute Frau nicht. Dass diese Stigmatisierung von vielen Menschen geteilt wird, macht es allerdings nicht besser, oder weniger schmerzhaft.

Da mein Blog doch recht viele Leser erreicht, stelle ich mein Gesuch nun auch hier ein. Ich bin über jeden Hinweis bezüglich sexarbeits-neutraler Vermieter zutiefst dankbar und freue mich, wenn mein Hilferuf weitergeleitet und verbreitet wird.


Die Eckdaten meines Gesuchs:

* ca. 50 – 70qm Gewerbefläche
* Büro/Praxis, ggf. auch Ladenlokal in B-Lage oder Souterrain
* Hamburg/St. Georg oder angrenzende Stadtteile
* Ab sofort bis Ende März oder auch später, falls verbindlich absehbar

Ich arbeite meist unter der Woche tagsüber, nur nach Terminvereinbarung und für meine Mitmieter störungsfrei. An einem entspannten Miteinander im Haus ist mir sehr gelegen, das war auch mit unseren derzeitigen Nachbarn und in der vorherigen Location meines Studios immer der Fall.

Ich möchte wieder einen langfristigen Mietvertrag eingehen und investiere gern in eine Renovierung und Umbauten wie Badezimmer oder Pantryküche.


Wer das Studio Rex-Team noch gemeinsam erleben oder unsere derzeitigen Räumlichkeiten besuchen möchte, hat dafür noch Zeit bis etwa Ende März. Wohin es meine Kolleginnen in Zukunft zieht, ist ungewiss – ich werde die Websites derjenigen weiter verlinken, die mich so lange begleitet haben und die weiterhin aktiv tätig sind, also kontaktiert sie im Zweifel selbst.

Auch wenn ich langfristig immer meine eigene Herrin sein will: sollte ich bis März keine passenden Räume gefunden haben, gibt es bereits mehrere Angebote für Übergangslösungen. Wozu hat man ein Netzwerk wunderbarer Kolleginnen! Ich bleibe meinen Gästen – und meinem Traumberuf – also auf jeden Fall weiter treu. Und ich halte euch auf dem laufenden.

Und wieder ein Erzählmirnix …

Donnerstag, 30. Juni 2016

Die neueste Sexwork-Logik von Erzählmirnix wurde zwar schon zum internationalen Hurentag am 2. Juni veröffentlicht, aber manchmal bin ich ja nicht die Schnellste mit meiner Bloggerei. 😉 Vielen Dank für die Erlaubnis zum teilen!

Bundesweite Protestaktionen zum internationalen Hurentag (2. Juni)

Mittwoch, 1. Juni 2016

Am 2. Juni 2016 – ausgerechnet dem Internationalen Hurentag – wird im Bundestag das „Prostituiertenschutzgesetz“ besprochen.

Unser lautstarker, anhaltender und gut begründeter Protest gegen das Gesetz wurde bis jetzt von den Politiker*innen ignoriert – aber wir lassen nicht locker!

Proteste und Aktionen finden statt in

  • Berlin: „MEIN KÖRPER, MEIN BETTLAKEN, MEIN ARBEITSPLATZ“ – 11:00 Uhr vor dem Bundestag (zwischen Louise-Schröder-Haus und Bundestag)
  • Hamburg: 15:00 – 17:00 Uhr „Registrierungsbehörde mit Hurenausweisen“ am Hans Albers-Platz. 17:30 Uhr Filmvorführung „Sexarbeiterin“ im B-Movie, Brigittenstrasse 5. Anschließend Zeit für Publikumsfragen und Diskussion mit mehreren Sexarbeiterinnen.
  • Hannover: 10:00 – 13:00 Uhr „Registrierungsbehörde mit Hurenausweisen“ am Kröpke
  • Rostock: Meine Nachbarin ist Sexarbeiterin! 19:00 Uhr Filmvorführung „Sexarbeiterin“, 20:30 Uhr Publikumsgespräch mit Sexarbeiterinnen und Experten aus Fachberatungsstellen. LiWu, Friedrichstrasse 23.

Ich selbst werde in Hamburg am Nachmittag dabei sein.

Weiterführende Links:

Stellungnahme des BesD zum Entwurf des Prostituiertenschutzgesetzes

Offener Brief von Dona Carmen zum 2. Juni – Appell an Bundestagsabgeordnete: „Rechte und Respekt für Sexarbeit – Keine Zustimmung zum Prostituiertenschutzgesetz!“