Posts mit dem Tag ‘Persönliches’

Das Märchen von der „Zuhälterlobby“

Montag, 26. Januar 2015

Ihr Lieben, ich muss euch ein weiteres mal mit leidiger Politik traktieren. Ich verspreche, auch bald wieder über Themen zu bloggen, die sexy sind, aber dieses hier wird so oft angesprochen in diversen sozialen Netzwerken, dass ich aus Gründen der Bequemlichkeit mal einen Text brauche, auf den ich und andere verlinken können.

Zuletzt gelesen auf Facebook, und in Variationen auch anderswo zu finden:

„Undine de Riviére“ ist eine von einer Handvoll Lobbyistinnen, Studiobesitzerin/(Zuhälterin nannte man das früher), die viel Kohle an anderen verdient. Immer wieder dieselben Attrappen-Prostituierten im TV, das nervt auch schon langsam.

Da bedürfen gleich mehrere Punkte der Klärung.

Erstens: Lobbyistin bin ich selbstverständlich – ich versuche mittels persönlicher Netzwerke und Öffentlichkeitsarbeit Einfluss auf eine zukünftige Gesetzgebung zu nehmen, denn ich möchte in einer Gesellschaft mit Regeln leben, die ich für hilfreich und sinnvoll halte. Das entwertet meine Argumente inwiefern?

Zweitens: Stimmt, ich teile mir eine 100 Quadratmeter-Gewerbefläche in einem Bürogebäude mit ein paar Kolleginnen und bin die Hauptmieterin. Wir haben drei Arbeitszimmer, eine Wohnküche und ein großes Bad. Ich könnte die Räume allein tragen, brauche aber natürlich nicht ständig alle und habe auch gern mal Gesellschaft. Daher vermiete ich stundenweise an befreundete Kolleginnen unter. In Monaten, in denen viel los ist, bezahlt mir das vollständig meine Gewerbemiete, in anderen Monaten zahle ich sie größtenteils alleine. Übers Jahr bekomme ich darüber etwa zwei Drittel meiner Mietkosten zurück, so dass ich finanziell ähnlich dastehe, als würde ich nur ein einzelnes Arbeitszimmer alleine bespielen. Die derzeitige Handhabung finde ich angenehmer, weil sie mir und meinen Gästen die Nutzung unterschiedlicher Themenräume ermöglicht und das Netzwerken mit Kolleginnen vereinfacht.

Wir koordinieren die Zimmernutzung über einen gemeinsamen Online-Kalender, jede hat ihren eigenen Schlüssel, kommt und geht, wann sie möchte und hinterlässt die Stundenmiete gegen Quittung, falls ich nicht da bin. Ich bekomme wesentlich mehr Anfragen von neuen Interessentinnen zwecks Raumanmietung, als ich im Sinne eines entspannten und stressfreien Miteinanders annehmen will. Ich hätte den Betrieb in den letzten zehn Jahren beliebig vergrößern können, habe ich aber nicht, weil ich keine Lust auf Puffmuttertum habe und nicht darauf angewiesen sein will, ein Team zu verwalten. Liebe Prostitutiongegner_innen, jetzt mal ganz im Ernst – „Zuhälterei“ sieht anders aus.

Da die Variationen über das Thema gern auch beinhalten, dass ich als „Domina“ sowieso nicht weiss, wovon ich rede: Ein Blick auf meine Website hilft. Ich bin nicht nur auch für Geschlechtsverkehr zu buchen, ich lasse mir sogar selbst ab und an mal den Hintern versohlen. Und gelegentlich lasse ich mich auf kommerziellen, von bösen Ausbeutern organisierten Gangbang-Parties, die ja angeblich nicht mit der Würde der Frau vereinbar und was ganz anderes sind als die elitäre Beschäftigung mit kultivierten Perversionen, von den sprichwörtlichen „zehn Freiern am Tag“ gut gelaunt durchnageln. Der Verdienst ist auch nicht schlecht und die Orgienatmosphäre eine nette Abwechslung zur hyperfokussierten Arbeit im Studio.

Ah, als Kind (oder irgendwann später) sexuell missbraucht wurde ich auch nicht, und es würde mich doch wundern, wenn ich nach zwanzig Jahren immer noch nicht gemerkt hätte, dass mir die ganze Sexwork-Sache insgeheim dann doch ganz schrecklich schadet. Wer ohne jeden Anlass behauptet, jemand würde sich selbst belügen, nur weil er nicht der eigenen Meinung ist, ist als Gesprächspartner nun leider wirklich nicht ernstzunehmen.

Zum Thema „na gut, aber von deiner Sorte gibt’s doch sonst kaum welche“, verweise ich auf diesen hervorragenden Text bei „Feminist Ire“, des weiteren auf meine Einlassung zu Arbeitszufriedenheit vs. Arbeitsrechte in meinem letzten Blog-Artikel.

… haben wir dann jetzt alle „Argumente“ durch?

Drittens: „Immer dieselben im Fernsehen“ – nunja. Solange die gesellschaftliche Stigmatisierung so ist, wie sie ist, können sich die allerwenigsten von uns einen dermaßen öffentlichkeitswirksamen Auftritt leisten. Und angesichts der Tatsache, dass gewisse Hetzblätter inzwischen gezielt diejenigen von uns versuchen einzuschüchtern, die Medienpräsenz zeigen, indem sie unsere Realnamen, bürgerliche Nebenjobs und andere persönliche Informationen abdrucken, ist es ganz offensichtlich erst recht eine gute Idee, dass die „Handvoll“ Sprecherinnen dem mit einem fröhlichen „äh, und?“ begegnen können und andere Kolleginnen anonym und geschützt bleiben, die durch ein Outing tatsächlich Nachteile erwarten müssten.

Und weil wir gerade dabei sind: im BesD sind ausschließlich aktive und ehemalige Sexarbeiter_innen organisiert. Wir werden weder von irgendeiner imaginären „Zuhälterlobby“ finanziert, noch sind wir immer mit hauptberuflichen Bordellinhabern einer Meinung (viele davon befürworten zum Beispiel eine Konzessionierung, die die selbstorganisierte Sexarbeit in kleinen Kolleginnengruppen enorm erschweren und damit die Konkurrenz für die großen Häuser verringern würde). Aber hey, solange sich manche Menschen nicht zu schade sind zu versuchen, selbst renommierte internationale Hilfsorganisationen für Opfer von Menschenhandel, die europäischen AIDS-Hilfen oder den deutschen Frauenrat als „Zuhälterorganisationen“ zu diskreditieren, weil die sich gegen ein Verbot von Sexarbeit engagieren, sind wir doch in guter Gesellschaft! 🙂

Blumenkind und Gothic-Diva

Donnerstag, 19. Juni 2014

Blumenkind

Frisch erholt aus dem Urlaub zurück gibt es ein paar Schnappschüsse in meinen Galerien … Ab Montag bin ich wieder im Studio anzutreffen und freue mich auf euch. 🙂

Gothic-Domina

Das geht uns alle an – Freiheit für Vielfalt

Donnerstag, 10. April 2014

Einer Hamburger SMerin wurde – nachdem ihrem kirchlichen Arbeitgeber Fotos von ihr, auf welchen sie in spielerischer Fesselung zu sehen ist, zugespielt wurden, von der Arbeit freigestellt und nach anwaltlicher Anfrage auf eine andere Station strafversetzt. Jetzt benötigt sie unsere Unterstützung.

Nachstehende Erklärung wurde von Matthias T.J. Grimme zur Verfügung gestellt:

Aus gutem Grund gibt es in Deutschland diverse Gesetze zum Schutz der Privatsphäre sowie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Im Februar ist nun einer guten Freundin von uns das Unglaubliche passiert: Sie wurde von ihrem Arbeitgeber freigestellt, weil dieser private Fotos zugespielt bekommen hat. Ihr wurde daraufhin unverzüglich geraten, sich krankschreiben (!) zu lassen und ein vorzeitiges Vertragsende wurde ihr nahegelegt.

Was war passiert?
Sie hatte auf ihrem privaten Account in einem sozialen Netzwerk, nur für ihre Freunde sichtbar, einige Selbstportraits in spielerischer Fesselung online gestellt. Diese Bilder, die jemand unerlaubt heruntergeladen und verschickt hatte, kann man unter den unten stehenden Links abrufen. Die Folgen der beruflichen Rufschädigung sind nicht absehbar.

Der Arbeitgeber ist das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf, das sich folgende Werte auf die Fahne schreibt:
– Selbstbestimmung – Jeder Mensch soll über sein Leben selbst bestimmen können.
– Augenhöhe – Jeder Mensch soll gleichberechtigt am Leben teilhaben.
– Lebensfreude – Alle Menschen sollen voneinander lernen und miteinander wachsen.
– Buntheit – Unser Angebot soll dem Willen der Menschen gerecht werden.

Sollten diese Grundwerte nicht für alle gelten? (mehr …)

In eigener Sache

Sonntag, 17. November 2013

Ihr Lieben,

wie vielleicht einige schon bemerkt haben, bin ich derzeit nicht ganz so häufig im Studio anzutreffen wie gewohnt, und auch telefonisch erwischt man mich eher schlecht. Mein Leben war ja schon immer nicht gerade langweilig, aber in den letzten Wochen hat das Dimensionen angenommen, die jeder Beschreibung spotten. Ich schlafe im Zug, snacke zwischen zwei Interviews und telefoniere im Taxi noch kurz mit der Redaktion des Heute Journals. Ich war mehrfach im Radio und Fernsehen, hatte lange Interviews und ausführliche Artikel in verschiedenen großen Online-Portalen und in den Printausgaben überregionaler Tageszeitungen, und Literaturagenten bieten mir Buchprojekte an. Ich bekomme mehr Anrufe von Journalisten als von meinen Gästen, und auch in bezug auf letztere kann ich nicht klagen. Wenn ich denn mal im Studio bin, bin ich fast immer ausgebucht.

Eigentlich wollte ich immer lieber reich sein als berühmt, aber der Plan ist offenbar gründlich schief gelaufen. 😉 (mehr …)

Surftipp

Freitag, 27. April 2012

Mein persönlicher Surftipp für zwischendurch: „Sex Is Not The Enemy“. Eine phantastisches Bilderbuch alternativer Pornographie für all diejenigen, die von Hochglanz-Fetisch und chirurgisch gepimpten Klischee-Körpern gelegentlich genauso gelangweilt sind wie ich …