Posts mit dem Tag ‘Sexwork’

40 Stunden mit Undine, Wahnsinn trifft Methode …

Donnerstag, 17. November 2016

Undine bei 40 Stunden

Für 40 Stunden – Beruf oder Berufung gab ich ein Interview über meinen Berufsalltag. Über diese Interviewanfrage hatte ich mich besonders gefreut, da ich dort nun als Sexarbeiterin in einer Reihe stehe mit einem Politologen, einem Sprengmeister, einer Melkerin, einem Türsteher, einer Hebamme und vieler weiterer Jobs. Sexarbeit ist eben Arbeit – und ganz genauso „kein Beruf wie jeder andere“ wie alle anderen Berufe auch.


Undine im Thalia Theater

Und dann war das noch ein gemeinsames Projekt der Uni Hamburg mit dem Thalia-Theater, bei dem Wissenschaftler mit Experten aus der Praxis zu skurrilen Themen aufeinander losgelassen werden, durchbrochen vom Kunst, Lesung, Musik: Wahnsinn trifft Methode. In Teil zwei der Trilogie „Himmel, Arsch und Zwirn“ war meine Erfahrung zum Allerwertesten des Menschen gefragt. Auch diesem Ruf bin ich gefolgt und habe es nicht bereut – es war ein ausgesprochen vergnüglicher Abend mit Peitsche und Buttplug. Das ganze wird am 27.11. um 22:00 Uhr auf Tide-TV gesendet. Ich hoffe, ihr habt auch so viel Spaß dabei wie ich. 🙂

Edit: Inzwischen gibt es den Mitschnitt auch bei youtube. Ab Minute 49:50 werde vor allem ich interviewed, aber die komplette Sendung ist wirklich sehenswert:

Aktion „… kommt nicht in die Tüte !“

Mittwoch, 18. Februar 2015

Aufruf zum Protest gegen das neue Prostitutionsgesetz
ab dem
Politischen Aschermittwoch am 18.02.2015

Nun wird es also konkret mit dem neuen Prostitutionsgesetz! Denn wer will es noch aufhalten? Die Lobby der Prostituierten existiert, ist aber noch in der Aufbauphase und und muß sich zu allererst mal um die betroffenen Frauen kümmern. Bei den Betreibern ist auch nicht viel los und für die großen und finanzkräftigen unter ihnen sollte das Gesetz sogar noch was bringen. Und die Freier?

Richtig: die Freier wären eine große, starke Gruppe; aber: wer stellt sich schon offen hin – wer kann sich das sozial, beruflich und gesellschaftlich leisten? Genau: fast niemand! So hilft nur der anonyme Protest.

Also: Ein paar Briefumschläge, Druckseiten, ein paar Briefmarken und … eine Handvoll Kondome! Kuverts adressieren, Briefmarke drauf, Flyer und ein verpacktes Kondom rein, zukleben und … ab dafür! Idealerweise an die direkte Postanschrift/Wahlkreisbüro des Abgeordneten.

Social Networks: Facebook, Twitter #kommtnichtindietüte, Posten, Linken und Liken was geht!

Ihr habt Kontakte zu den Medien? Haut rein!

Nach ein paar Tagen geht dann eine Presseerklärung raus und dann bekommt das Thema dann vielleicht doch mal die richtige Aufmerksamkeit jenseits von Populismus und Schönfärberei! Kurzum: wer seine sexuelle Freiheit weiter ausleben möchte sollte mitmachen.

Gegen scheinheiligen Aktionismus und Augenwischerei, für ernsthafte Reformen für und vor allem mit den Frauen!

Flyer

Hier findet ihr eure Abgeordneten

Hier Abgeordnete des zuständigen Ausschusses

Eine Initiative aus dem Freierforum Bordellberichte.com, die ich ausdrücklich unterstütze!

Das Märchen von der „Zuhälterlobby“

Montag, 26. Januar 2015

Ihr Lieben, ich muss euch ein weiteres mal mit leidiger Politik traktieren. Ich verspreche, auch bald wieder über Themen zu bloggen, die sexy sind, aber dieses hier wird so oft angesprochen in diversen sozialen Netzwerken, dass ich aus Gründen der Bequemlichkeit mal einen Text brauche, auf den ich und andere verlinken können.

Zuletzt gelesen auf Facebook, und in Variationen auch anderswo zu finden:

„Undine de Riviére“ ist eine von einer Handvoll Lobbyistinnen, Studiobesitzerin/(Zuhälterin nannte man das früher), die viel Kohle an anderen verdient. Immer wieder dieselben Attrappen-Prostituierten im TV, das nervt auch schon langsam.

Da bedürfen gleich mehrere Punkte der Klärung.

Erstens: Lobbyistin bin ich selbstverständlich – ich versuche mittels persönlicher Netzwerke und Öffentlichkeitsarbeit Einfluss auf eine zukünftige Gesetzgebung zu nehmen, denn ich möchte in einer Gesellschaft mit Regeln leben, die ich für hilfreich und sinnvoll halte. Das entwertet meine Argumente inwiefern?

Zweitens: Stimmt, ich teile mir eine 100 Quadratmeter-Gewerbefläche in einem Bürogebäude mit ein paar Kolleginnen und bin die Hauptmieterin. Wir haben drei Arbeitszimmer, eine Wohnküche und ein großes Bad. Ich könnte die Räume allein tragen, brauche aber natürlich nicht ständig alle und habe auch gern mal Gesellschaft. Daher vermiete ich stundenweise an befreundete Kolleginnen unter. In Monaten, in denen viel los ist, bezahlt mir das vollständig meine Gewerbemiete, in anderen Monaten zahle ich sie größtenteils alleine. Übers Jahr bekomme ich darüber etwa zwei Drittel meiner Mietkosten zurück, so dass ich finanziell ähnlich dastehe, als würde ich nur ein einzelnes Arbeitszimmer alleine bespielen. Die derzeitige Handhabung finde ich angenehmer, weil sie mir und meinen Gästen die Nutzung unterschiedlicher Themenräume ermöglicht und das Netzwerken mit Kolleginnen vereinfacht.

Wir koordinieren die Zimmernutzung über einen gemeinsamen Online-Kalender, jede hat ihren eigenen Schlüssel, kommt und geht, wann sie möchte und hinterlässt die Stundenmiete gegen Quittung, falls ich nicht da bin. Ich bekomme wesentlich mehr Anfragen von neuen Interessentinnen zwecks Raumanmietung, als ich im Sinne eines entspannten und stressfreien Miteinanders annehmen will. Ich hätte den Betrieb in den letzten zehn Jahren beliebig vergrößern können, habe ich aber nicht, weil ich keine Lust auf Puffmuttertum habe und nicht darauf angewiesen sein will, ein Team zu verwalten. Liebe Prostitutiongegner_innen, jetzt mal ganz im Ernst – „Zuhälterei“ sieht anders aus.

Da die Variationen über das Thema gern auch beinhalten, dass ich als „Domina“ sowieso nicht weiss, wovon ich rede: Ein Blick auf meine Website hilft. Ich bin nicht nur auch für Geschlechtsverkehr zu buchen, ich lasse mir sogar selbst ab und an mal den Hintern versohlen. Und gelegentlich lasse ich mich auf kommerziellen, von bösen Ausbeutern organisierten Gangbang-Parties, die ja angeblich nicht mit der Würde der Frau vereinbar und was ganz anderes sind als die elitäre Beschäftigung mit kultivierten Perversionen, von den sprichwörtlichen „zehn Freiern am Tag“ gut gelaunt durchnageln. Der Verdienst ist auch nicht schlecht und die Orgienatmosphäre eine nette Abwechslung zur hyperfokussierten Arbeit im Studio.

Ah, als Kind (oder irgendwann später) sexuell missbraucht wurde ich auch nicht, und es würde mich doch wundern, wenn ich nach zwanzig Jahren immer noch nicht gemerkt hätte, dass mir die ganze Sexwork-Sache insgeheim dann doch ganz schrecklich schadet. Wer ohne jeden Anlass behauptet, jemand würde sich selbst belügen, nur weil er nicht der eigenen Meinung ist, ist als Gesprächspartner nun leider wirklich nicht ernstzunehmen.

Zum Thema „na gut, aber von deiner Sorte gibt’s doch sonst kaum welche“, verweise ich auf diesen hervorragenden Text bei „Feminist Ire“, des weiteren auf meine Einlassung zu Arbeitszufriedenheit vs. Arbeitsrechte in meinem letzten Blog-Artikel.

… haben wir dann jetzt alle „Argumente“ durch?

Drittens: „Immer dieselben im Fernsehen“ – nunja. Solange die gesellschaftliche Stigmatisierung so ist, wie sie ist, können sich die allerwenigsten von uns einen dermaßen öffentlichkeitswirksamen Auftritt leisten. Und angesichts der Tatsache, dass gewisse Hetzblätter inzwischen gezielt diejenigen von uns versuchen einzuschüchtern, die Medienpräsenz zeigen, indem sie unsere Realnamen, bürgerliche Nebenjobs und andere persönliche Informationen abdrucken, ist es ganz offensichtlich erst recht eine gute Idee, dass die „Handvoll“ Sprecherinnen dem mit einem fröhlichen „äh, und?“ begegnen können und andere Kolleginnen anonym und geschützt bleiben, die durch ein Outing tatsächlich Nachteile erwarten müssten.

Und weil wir gerade dabei sind: im BesD sind ausschließlich aktive und ehemalige Sexarbeiter_innen organisiert. Wir werden weder von irgendeiner imaginären „Zuhälterlobby“ finanziert, noch sind wir immer mit hauptberuflichen Bordellinhabern einer Meinung (viele davon befürworten zum Beispiel eine Konzessionierung, die die selbstorganisierte Sexarbeit in kleinen Kolleginnengruppen enorm erschweren und damit die Konkurrenz für die großen Häuser verringern würde). Aber hey, solange sich manche Menschen nicht zu schade sind zu versuchen, selbst renommierte internationale Hilfsorganisationen für Opfer von Menschenhandel, die europäischen AIDS-Hilfen oder den deutschen Frauenrat als „Zuhälterorganisationen“ zu diskreditieren, weil die sich gegen ein Verbot von Sexarbeit engagieren, sind wir doch in guter Gesellschaft! 🙂

Ein ganz normaler Job

Mittwoch, 28. Mai 2014

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (BesD) und der Ratschlag Prostitution Hamburg laden ein:

Film, Sekt und Gespräche
zum INTERNATIONALEN HURENTAG
In der St.-Georg-Kirche in Hamburg
Am St. Georgskirchhof
Am Montag, 2. Juni 2014, 19 Uhr

38 Jahre Internationaler Hurentag

Am 2. Juni 1975, besetzten 150 Sexarbeiterinnen in Frankreich die Kirche Saint Nizier in Lyon und riefen einen Generalstreik aus. Vorausgegangen waren jahrelange Repressalien, Kontrollen und Polizeischikanen. Prostituierte mussten ihre Arbeit versteckt ausüben und waren Gewalttätern schutzlos ausgeliefert.

In einer Serie von Gewalttaten bildeten 2 Morde den schrecklichen Höhepunkt. Die Frauen fürchteten um ihr Leben. Sie schlossen sich zusammen und forderten gemeinsam Freiheit in ihrer Berufsausübung. Das war der Beginn eines Generalstreiks, der sich in wenigen Tagen über ganz Frankreich ausbreitete und schließlich mit Polizeigewalt zerschlagen wurde. Das erste Mal hatten Huren durch einen Arbeitskampf weltweit und solidarisch Aufsehen erregt. In vielen anderen Ländern kam es zu Sympathieerklärungen auch außerhalb des Prostitutionsmilieus.

Der 2. Juni wurde zum „Internationalen Hurentag“ erklärt.

Ein ganz normaler Job

Unter diesem Motto wollen wir am 2. Juni den Internationalen Hurentag feiern. Denn seit den 70er Jahren ist viel passiert. Im vergangenen Jahr hat sich der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) gegründet, der für die Rechte der Sexarbeiter_innen und die Verbesserungen der Lebens– und Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit streitet. Denn noch immer ist Prostitution kein normaler Job.

Doch welcher ist das schon? Ob „Tatortreiniger“, „Krawattenverkäufer“ oder „Hure“ – jeder Beruf hat seine eigenen Besonderheiten. Wie kurios diese sein können, sehen wir in der Folge „Ganz normale Jobs“ der Kult-Serie „Der Tatortreiniger“.

In einem Gespräch mit

Katharina Marie Schubert (Schauspielerin),
Undine de Rivière (BesD),
Kai Voet van Vormizeele (CDU) und
Kersten Artus (Die Linke)

beleuchten wir die Normalität.

Moderation: Emilija Mitrovic (ver.di).

Veranstaltungsflyer zum Download
Offizieller Veranstaltungs-Link auf der Homepage des BesD

Zeitgleich findet bei Madonna e.V. in Bochum eine ähnliche Veranstaltung statt (Link).

Arbeitsprobleme

Freitag, 21. März 2014

Arbeitsprobleme - erzählmirnix

Quelle: Erzaehlmirnix